Barbara Reinhard hat bisher veröffentlicht:

Nur Natur, ein kleiner Ratgeber, voher “Für euch ufgschrebe”

und Hast du dich heute schon gefreut?

Geschichten mit Lisa und Stopolino

Ich wurde 1964 in Luzern als jüngstes Kind der Familie geboren. Wir Kinder kamen alle mit einem Schild auf die Welt. Das meines Bruder lautete: “Ja dann halt.” Meine Schwester trug: “Jetzt auch egal.” Ich bekam die Aufschrift: “Auf keinen fall.” Diese wurde dann geändert durch: Abmachung.

Lebensverlauf

Ich hatte immer 2 Welten zur Auswahl. Die friedliche, liebevolle, gerechte, warme Welt in mir drin und die äusserliche, kalte und dunkle, streitende Welt, in der meinVater ab und zu die Sonne scheinen liess.

Im 5. Lebensjahr ging die Sonne unter. Mein Vater war weg. Ein paar Monate später mein Bruder auch.

Mit 9 Jahren konnte ich endlich lesen, meine Schwester war mein Vorbild. Sie zeigte mir, dass in der äusseren Welt noch andere Welten bestehen.

Im Jahr darauf zogen wir aufs Land. Meine Mutter heiratete und ich bekam eine Lebensberechtigungs-Karte von ihrem Mann, und die Freiheit.

Die folgenden Jahre verbrachte ich zwischen Wald, See und Wiese mit einem Buch unter dem Arm.

Bei Gelegenheit erlernte ich ein Instrument oder erkämpfte mir einen Platz an der Nähmaschine.

Der nächste Umzug brachte mit sich, dass wir einen sehr langen Schulweg hatten. Der Schulbus zwang mich, die äussere Welt wahrzunehmen. Für mich waren wir nicht kompatibel, ich fand schnell eine tolle Bibliothek.

In dem grossen Haus, in dem wir lebten, war dann auch die Nähmaschiene leichter erreichbar für mich, was ich sehr genoss.

So kam es, dass ich meinen Bruder, meinen Vater, meine Schwester und eine neue Mama kennen lernen durfte.

Da habe ich erkannt: Alles, was man dir erzählt hat, ist BULLSHIT. Prüfe selber. Schau dir alles genau an, bevor du etwas glaubst oder gar beurteilst.

Mit 21 Jahren habe ich geheiratet und bin einer Glaubensgemeinschaft beigetreten. 3 Jahre später kam meine Tochter zur Welt. Diese Zeit konnte ich zum lernen nutzen. Die Natur war immer schon da und ich auch. Wir kennen uns gut. Viele Menschen, denen ich in der Zeit begegnet bin, versorgten mich mit neuem Wissen. Als mein Sohn auf die Welt kam, war ich gut gerüstet für das, was auf uns zu kam. Wir haben es locker gerockt.

Mit 30 Jahren stand ich vor der Entscheidung, Ausbildung zum Heilpraktiker oder Kinder weiter begleiten. Ich habe mich gegen die Ausbildung entschieden, und fing an, Kinderfeste für die Kinder der Glaubensgemeinschaft zu veranstalten.

Ha, das gab vielleicht Trubel. Ich knallte den Ältesten meine ganze Welt vor die Füsse und sie zogen mit einer säuerlichen Miene von dannen. Den Kindern und den Müttern hats gefallen. Ich war 5 Jahre gnadenlos. Die Rechte der Kinder auf Spass, lernen, singen, tanzen, gemeinsam spielen, sich austoben, standen immer ganz vorne bei mir. Da gibt es nichts zu diskutieren. Mein Mann entschied dann, dass ich für ihn nicht mehr tragbar sei. Ich wurde aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen.

Da habe ich gelernt: Zieh dein Ding durch, egal, was andere sagen, du kannst es ihnen nie recht machen.

2002 packten wir, meine Kinder und ich, unsere Sachen und wanderten nach Deutschland aus. In den schönen Schwarzwald , nach Schwenningen.

Es ist sehr spannend Ausländer zu sein. Die Kinder machten beide den Schulabschluss.

Für mich eröffnete sich ein neues Thema: Liebe. Es war eine harte Nuss.

In dem kleinen Häuschen war viel Trubel. Die unterschiedlichsten Menschen fanden da einen Platz. Sie kamen und gingen, ein paar Kinder blieben länger.

Doch von etwas muss man leben. Die Schneiderei hielt mich immer über Wasser. Mein Lebensgefährte ist ein Occasion-Model. Nach eingehenden Reperaturarbeiten mit Chemie und Natur war er soweit hergestellt, dass er sich Gedanken machte, was er tun könnte, um all die Mäuler zu stopfen? Sein Leben lang hat er Messer geschliffen und hergestellt. Da fand ich in der Zeitung ein Inserat: Schauhandwerker für historischen Markt in Villingen gesucht. Da war der Scherenschleifer geboren. Seit 2005 sind wir auf Veranstaltungen in Deutschland unterwegs. Mein Mann wird häufig gefragt: “Kann man davon leben?” Er sagt dann: “Sehe ich tot aus?”

Die Kräuter dürfen mit und auch die Näherei ist noch dabei, damit es den Damen und Kindern nicht langweilig wird bei uns am Stand, mit so viel Fachsimpelei.

2009 hatte mein Sohn genug von Deutschland. Da ich noch ein Versprechen offen hatte, wieder in die Schweiz zurück zu kommen, packten wir noch mal und siedelten uns in Schaffhausen an.

Es war ein echter Kulturschock. Inzwischen haben wir uns eingewöhnt. Wir lebten alle in Schaffhausen. Meine Tochter ist inzwischen Spielpädagogin. Wenn sie so 300 Kinder erwartet zum spielen, sind wir alle dabei und spielen mit.

Dadurch bin ich zum schreiben gekommen.

Es ist immer zu wenig Zeit, um mit Kindern zu sprechen, ob beim Spielen oder auf dem Markt. Die Kinder schenken uns so viel Vertrauen und Freude beim Spielen und doch sehe ich ihre Sorgen und spüre ihre Nöte. So ist dieses Buch ein Geschenk und ein Dankeschön von mir, für alle Kinder dieser Welt. Ich schenke ihnen ein Stück meiner Zeit und hoffe, andere Erwachsene tun dies auch. Indem sie sich Zeit nehmen, die Geschichten vor zu lesen.

Meine innere und meine äussere Welt haben sich vereint. Ich habe gelernt, wenn man sein eigenes Sein akzeptiert, wird alles, was von aussen kommt, ganz leicht. Ich kann immer wählen, ob ich diese Situation möchte oder aus ihr hinausgehe. Das ist der freie Wille.

Nun sind wir wieder in Deutschland, ruhig und im Grünen, also viel Zeit für neue Projekte